Über 100 Seiten Protokoll mit abstrusen Erkenntnissen aus einer Traumatherapie
Ein beschuldigter Vater erzählt
Die Vorgeschichte
Unsere zwei Töchter – Kristina, geboren 1982 und Marie, geboren 1991, waren Wunschkinder. Mit dem großen Altersunterschied umzugehen war nicht immer leicht.
Kristina, die mit einer schweren Neurodermitis auf die Welt gekommen war, spürte, dass ihre kleine Schwester uns „bezauberte“. Kristina war nicht mehr unsere “Prinzessin“. Sie entwickelte diffuse Ängste, großen Ehrgeiz, eine starke Eifersucht und – mit etwa zwölf Jahren – eine Magersucht.
Wir suchten uns als Familie psychologische Hilfe. Nach einer Klassenwiederholung kam Kristina in der Schule und in ihrer Freizeit gut zurecht und fand im Voltigieren und Leistungsturnen Hobbies außerhalb der Familie. Mit 18 Jahren verließ sie das Gymnasium nach der elften Klasse, um eine Ausbildung zur Krankenschwester zu beginnen, obwohl sie mit guten Noten in die zwölfte Klasse versetzt worden wäre.
Marie dagegen war ein ruhigeres Kind. Nach der zehnten Klasse wechselte sie auf meine Anregung zur Fachoberschule Gestaltung, da sie ohnehin im Kreativbereich studieren wollte.
Kristina lernte während ihrer Ausbildung ihren jetzigen Mann kennen. Sie heirateten und bekamen zwei Söhne. Kurz darauf begann Kristina eine zweite Ausbildung zur Hebamme – was sie erkennbar überforderte. Wir unterstützten sie, so gut wir konnten – aus ihrer Sicht war es nie genug. Als Kristina sich mit 37 Jahren von ihrem Mann trennen wollte, hielten wir uns heraus, waren aber sehr froh, als sich die beiden wieder zusammenrauften.
Unser Fall: Der Kontaktabbruch
Im Jahr nach ihrer Ehekrise, Ende Juli 2020, schickte Kristina mir eine Mail: Sie und ihre Familie wünschten vorerst keinen weiteren Kontakt zu meiner Frau und mir. Unsere Enkel, damals 13 und 11 Jahre alt, würden sich „bei Bedarf“ bei uns melden. Sie blockierte uns auf WhatsApp. Ich hoffte, es würde sich geben – doch es blieb bei Funkstille.
Nach vier Monaten erkundigte ich mich per Post nach Gründen für den Kontaktabbruch – und nach den Weihnachtswünschen unserer Enkel. Kristina antwortete, sie arbeite mit ihrer Therapeutin ihre Kindheit auf, in der ja auch nicht alles schlecht gelaufen sei. Unser großer Enkelsohn wolle nach Weihnachten gern mit seinem Opa – mir – einen Gaming-PC bauen.
Ich bat unseren Schwiegersohn um ein Telefongespräch, woraufhin er uns ebenfalls auf WhatsApp blockierte. Im Februar 2021 durfte unser älterer Enkelsohn drei Tage lang mir den Gaming-PC bauen – kurz darauf sperrten uns auch unsere beiden Enkel auf WhatsApp.
Ich schrieb Kristina und bat sie flehentlich, uns Gründe für den Kontaktabbruch zu nennen. Sie antwortete nicht.
Die Beschuldigung
Ende Oktober 2021 eröffnete mir meine Lieblingsschwester, die auch die Lieblingstante unserer Töchter ist, Kristina habe ihr detailreich geschildert, wie meine Frau und ich sie im Alter von dreieinhalb bis sechs Jahren sexuell missbraucht hätten. Sie glaube ihr.
Ich war geschockt, konnte ihr aber sofort Argumente nennen, weshalb diese Beschuldigung nicht wahr sein konnte. Meine Schwester war hin und hergerissen.
Für uns begann ein Albtraum. Über meine Schwester erfuhren wir, dass Kristina ihre jüngere Schwester bereits ein halbes Jahr zuvor eingeweiht hatte: Sie wolle uns wegen sexuellen Missbrauchs anzeigen. Kristina habe Marie gefragt, ob sie auch von uns missbraucht worden sei – was Marie verneint habe. Darauf Kristina: „Du warst ja auch ihr Lieblingskind!“
Auch auf meine Nachfrage verneinte Marie vehement. Sie glaubte uns – aber sie stand zwischen den Stühlen. Sie wollte sich heraushalten. Wir hatten das Gefühl, über Nacht keine Familie mehr zu haben.
Zwei Strafanzeigen und eine Gewaltschutzanordnung
Als wir erfuhren, dass Kristina tatsächlich Strafanzeige wegen sexuellen Missbrauchs in den Jahren 1986 bis 1989 gegen uns erstattet hatte, nahmen wir über False Memory Deutschland Kontakt zu einem Rechtsanwalt auf. Es stellte sich heraus, dass die „Erinnerungen“ ihr in einer Notfall-Therapiesitzung gekommen waren. Diese Anzeige wurde wegen Verjährung eingestellt.
Im Januar 2022 erfuhren wir von einer zweiten Strafanzeige. Kristina warf uns darin vor, ihre beiden Söhne zehn Jahre zuvor missbraucht zu haben. Auf über 100 Seiten gab sie abstruse Erkenntnisse aus einer Therapie zu Protokoll – die ihr Ehemann und ihre beiden Söhne bei ihrer Vernehmung nicht bestätigten. Auch wir konnten sie nachweisbar widerlegen.
Im März 2022 erwirkte Kristina dennoch beim Familiengericht Braunschweig eine Gewaltschutzanordnung mit einer Kontaktsperre zur ganzen Familie bis Ende Mai 2024. Wir beantworteten das mit einem Antrag auf Umgangsregelung, denn unsere beiden Enkel hatten bei ihrer Vernehmung noch ausgesagt, dass sie gerne und oft bei uns gewesen seien.
Die vom Familiengericht eingesetzte Verfahrensbegleiterin stellte jedoch fest, dass die beiden an einem Umgang mit uns nicht mehr interessiert seien. Ihre Mutter hatte ganze Arbeit geleistet. Daraufhin zogen wir unseren Antrag zurück.
Dann auch Marie
Im April 2022 besuchten meine Frau und ich ein Seminar bei False Memory Deutschland. Bald darauf bat mich Marie um ein Telefongespräch: Es gehe ihr psychisch schlecht. Ob sie bei einem Klinikaufenthalt mit unserer finanziellen Unterstützung rechnen könne?
Wir sagten ja. Sie ging – und sperrte uns kurz darauf ebenfalls auf WhatsApp. Über Dritte erfuhren wir, dass sie inzwischen ihr Informatikstudium abgeschlossen hat und seit Oktober 2023 bei einer großen Firma arbeitet. Den Kontakt zu uns hat sie vollständig abgebrochen.
Wir vermuten, dass Kristina noch immer falsch therapiert wird und machen uns große Sorgen um sie. Wir vermissen unsere Töchter und Enkelsöhne sehr, sie fehlen uns jeden Tag. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf.
A.&W.S.