Was ist False Memory?
Erinnerungen sind nicht statisch oder objektiv. Sie sind rekonstruktiv, fehleranfällig und veränderbar – das zeigen jahrzehntelange gedächtnispsychologische Forschung und zahlreiche klinische Studien, etwa die wegweisenden Arbeiten von Elizabeth Loftus*.
Suggestive Techniken können Falscherinnerungen auslösen
In nicht fachgerechten Psychotherapien oder in ähnlichen Settings kann es vorkommen, dass Menschen durch suggestive Techniken – etwa geleitete Imagination, wiederholtes Befragen oder bestimmte Formen der Hypnose – dazu angeregt oder sogar gedrängt werden, sich an sexuellen Missbrauch zu erinnern, von dem sie bisher nichts wussten. Auch bestimmte Inhalte in sozialen Medien können diesen Prozess begünstigen.
Dabei ist wichtig zu verstehen: Falsche Erinnerungen fühlen sich für die Betroffenen real und wahr an. Oft geht es Menschen mit falschen Erinnerungen an sexuellen Missbrauch genauso schlecht wie Personen, die tatsächlich sexuellen Missbrauch erlebt haben. Sie sind selbst Betroffene und verdienen Unterstützung, keine Verurteilung.
Falschen Erinnerungen unkritisch Glauben zu schenken, hilft den Betroffenen nicht, sondern verfestigt eine falsche Identität als angebliches Opfer sexuellen Missbrauchs, nimmt ihnen ihre echte Vergangenheit und lässt ihr eigentliches Problem ungelöst.
Loftus EF. Planting misinformation in the human mind. A 30-year investigation of the malleability of memory. Learning & Memory 2005; 12(4): 361-366