False Memory
Deutschland e.V.

FMD-INFOTHEK

Neuere Veröffentlichungen aus Publikums- und Fachmedien. Weiter zurückliegende Veröffentlichungen finden Sie demnächst in unserem Archiv,

Zur Belastbarkeit und Suggerierbarkeit von Erinnerungen. Eine wissenschaftliche Anregung für psychotherapeutische Berufe

Aileen Oeberst | Springer, 2026
Wie verlässlich sind Erinnerungen – und wie leicht lassen sie sich beeinflussen? Dieses Essential zeigt, dass Menschen bereits in wenigen Interviews Erinnerungen an nie erlebte Ereignisse entwickeln können. Es beleuchtet die Mechanismen, die Erinnerungen beeinflussen, und sensibilisiert besonders für das Risiko von Suggestion im therapeutischen Kontext. Daneben werden verbreitete Mythen über das menschliche Gedächtnis thematisiert. Für psychotherapeutisch und psychologisch beratend tätige Personen.

Autonomie- und teilhabeeinschränkende toxische Beziehungen zwischen Therapeut*innen und Patient*innen: Eine qualitative Studie zum Narrativ „rituelle Gewalt“

Jörg M. Fegert, Lea Frühauf, Jelena Gerke & Kim Magiera | Universität Ulm, September 2025
Die Studie untersucht anhand qualitativer Fallanalysen psychotherapeutische Behandlungsverläufe, in denen das Narrativ „ritueller Gewalt" eine zentrale Rolle spielt. Dabei zeigt sie schädigende Beziehungsdynamiken zwischen TherapeutIn und PatientIn auf. Die AutorInnen ordnen ihre Befunde explizit in medizinethische Grundsätze und die Diskussion um Behandlungsfehler ein. Damit liefert die Arbeit empirisches Material dazu, wie bestimmte Therapieansätze im Umfeld von „rituelle Gewalt"-Vorstellungen PatientInnen schaden können – ein Befund, der unmittelbar an die False-Memory-Debatte über problematische Erinnerungsarbeit in der Therapie anschließt.

Wiedergewonnene Erinnerungen in der Psychotherapie: Eine Befragung praktizierender Psychotherapeut:innen in Deutschland

Jonas Schemmel, Lisa Datschewski-Verch & Renate Volbert | Memory, Januar 2024
Der Originalartikel (verlinkt im pdf) erschien auf Englisch. Wir dokumentieren ihn in deutscher Übersetzung.

Aus dem Fazit: „Ein erheblicher Anteil der Therapeutinnen setzte suggestive Techniken ein, um vermutete Traumaerinnerungen wiederzugewinnen" – mit dem Risiko falscher Erinnerungen und negativer Folgen „für Patientinnen und die Beschuldigten" (z. B. in Strafverfahren). Zugleich wünsche sich über die Hälfte der Therapeutinnen „mehr Unterstützung im Umgang mit diesem Thema"; eine entsprechende Thematisierung in der Ausbildung könne suggestive Praktiken „zumindest teilweise verhindern". Appell der Autorinnen: Gedächtniswissenschaft und Wissen um Suggestion sollten „fester Bestandteil der Therapeutenausbildung" werden.

Rituelle Gewalt als Form organisierter Kriminalität auf dem wissenschaftlichen Prüfstand: Wo endet die Realität und wo beginnt die Fiktion?

Philipp Herzog, Rafaële J. C. Huntjens, Tim Kaiser, Renate Volbert | Psychotherapeutenjournal (2/2025)
Der Artikel untersucht rituelle Gewalt im Kontext organisierter, sexualisierter Kriminalität und grenzt empirisch nachweisbare Formen solcher Gewalt von populären Mythen ab. Trotz weit verbreiteter Erzählungen – etwa über satanistische Netzwerke mit Mind‑Control‑Techniken – gibt es keine belastbaren Belege für systematischen rituellen Missbrauch. Der Diskurs speist sich häufig aus Therapiepraktiken, die falsche Erinnerungen fördern können. Gefahrensignale in der Psychotherapie sind der unreflektierte Einsatz von recovered‑memory‑Techniken oder suggestiven Interventionen. Der Beitrag empfiehlt stattdessen eine sorgfältige, traumasensible Anamnese, Sensibilisierung für Scheinerinnerungen und evidenzbasierte Vorgehensweisen im Umgang mit neu berichteten Erinnerungen.

Rituelle sexuelle Gewalt. Eine kritische Auseinandersetzung mit fragwürdigen empirischen Belegen für ein fragliches Phänomen

Andreas Mokros, Jonas Schemmel, André Körner, Aileen Oeberst, Roland Imhoff, Kristina Suchotzki, Verena Oberlader, Rainer Banse, Anja Kannegießer,
Silvia Gubi-Kelm, Robert Lehmann und Renate Volbert | Psychologische Rundschau, 2024

Im Zuge eines Projekts, das durch die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert worden ist, wurden mehrere Veröffentlichungen erstellt, darunter eine Online-Umfrage an 165 selbst-definierten Betroffenen (Nick et al., 2018; https://doi.org/10.21706/TG-12-3-244). Der vorliegende Beitrag setzt sich insbesondere mit der Ergebnisinterpretation der Studie  kritisch auseinander.

Kommentar zum Positionspapier von Mokros, A. et al. (2024), Rituelle sexuelle Gewalt

Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs Christine Bergmann, Silke Birgitta Gahleitner, Julia Gebrande, Matthias Katsch,
Barbara Kavemann, Heiner Keupp, Stephan Rixen | Psychologische Rundschau, April 2024
Die Aufarbeitungskommission beruft sich auf die Existenz zahlreicher Betroffenenberichte. Die Kritiker ließen "Respekt vor der Pluralität erkenntnistheoretischer Ansätze und unterschiedlicher Forschungsmethodologien" vermissen. Die Kommission lädt die Vertreter_innen der am Thema beteiligten Fachverbände zu einem "sachlichen Austausch ein, der wissenschaftlichen Standards folgt, auf diffamierende Kritik verzichtet, gegenseitigen Respekt gewährleistet und die Fehlbarkeit der eigenen Position anerkennt".

Unterschiedliche Überzeugungen, aber nur eine Wahrheit

Andreas Mokros, Jonas Schemmel, André Körner, Aileen Oeberst, Roland Imhoff, Kristina Suchotzki, Verena Oberlader, Rainer Banse, Anja Kannegießer,
Silvia Gubi-Kelm, Robert Lehmann und Renate Volbert | Psychologische Rundschau, April 2024
Die Kritiker setzen sich mit der Stellungnahme der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs auseinander.

Denn sie wissen (nicht), was sie tun: Die Hamburger ORG-Studien über Mind Control, gezielte Persönlichkeitsaufspaltungen und induzierte Amnesien. Eine Replik auf die Kritik von Schröder et al. (2023)

Susanna Niehaus, Andreas Krause | Praxis der Rechtspsychologie, 09.11.2023

Die Autoren antworten in diesem Beitrag auf die Kritik einer Forschergruppe (Schröder et al.)1 an ihren Veröffentlichungen über sogenannte ORG-Studien (Organisierte Rituelle Gewalt).
Die Autoren befassen sich kritisch mit Konzepten wie „Mind Control“ (Gedankenkontrolle), Persönlichkeitsaufspaltungen und induzierter Amnesie. Sie warnen davor, dass Annahmen über organisierte rituelle Gewalt ohne ausreichende empirische Belege die juristische Praxis und Opferinteressen in Sexualstrafverfahren gefährden könnten. Die ausführliche Debatte können Sie in der Fachzeitschrift "Praxis der Rechtspsychologie" nachlesen.
1) Schröder, J., Nick, S., Behrendt, P., Kraus, A.-K., Richter-Appelt, H., & Briken, P. (2021). Sexueller Kindesmissbrauch in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen. Zusammenfassungen der Veröffentlichungen aus dem Forschungsprojekt in wissenschaftlichen Zeitschriften. Berlin: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. 

Trauma und Erinnerung – ein Beitrag zur aktuellen Debatte in Recht und Psychotherapie

Julia Schellong, Anton Schellong, Ursula Gast, Ulrich Frommberger, Alexander Jatzko, Ingo Schäfer | Der Nervenarzt, 05/2024
Der Abruf traumatischer Erinnerungen (z. B. bei sexualisierter Gewalt) ist komplex – relevant vor allem in Gerichtsverfahren, die auf Opferaussagen beruhen. Da Erinnerungen, etwa durch Psychotherapie, veränderbar sind, gelten Aussagen therapieerfahrener Betroffener oft fälschlich als unzuverlässig, was den Eindruck erzeugt, man müsse zwischen Traumabehandlung und Verurteilungschancen wählen. Der Beitrag begegnet diesem Dilemma mit konstruktiven Lösungsvorschlägen: mehr Forschung in Schlüsselbereichen, erweiterte Therapie- und Dokumentationsrichtlinien sowie bessere Kommunikation an alle Beteiligten.

Rituelle sexuelle Gewalt. Zur aktuellen Kontroverse über ein polarisierendes Narrativ

Silvia Gubi-Kelm, Luise Greuel | reportPsychologie, April 2024
Zwei Rechtspsychologinnen zeigen, dass die Grundannahmen des Narrativs ritueller sexueller Gewalt – Verdrängung, Mind Control, absichtliche Persönlichkeitsspaltung – wissenschaftlich nicht haltbar sind. Eine Dissoziative Identitätsstörung ist kein Beleg für erlebten Missbrauch: Der Rückschluss ist zirkulär, die Diagnose entsteht häufig erst im Therapieverlauf, und suggestive Methoden erhöhen bei diesen Patientinnen und Patienten das Risiko falscher Erinnerungen besonders stark. Forderungen nach einer Abkehr von der wissenschaftlich fundierten Glaubhaftigkeitsbegutachtung werden als unbegründet zurückgewiesen.

Gibt es organisierten rituellen Kindesmissbrauch?

Roland Imhoff, Marcel Meuer, Andreas Mokros, Aileen Oeberst | The Inquisitive Mind 2/2024 
Eine Reihe von Therapeutinnen und Therapeuten sowie selbstdefinierte Betroffene berichten von geheimen Organisationen, die Kinder zu ideologischen oder religiösen Zwecken missbrauchen und durch Persönlichkeitsspaltung kontrollieren sollen. Polizeiliche Ermittlungen haben dafür keinerlei Belege gefunden. Die Autoren diskutieren, warum die Existenz solcher verschwörerischen Geheimbünde trotz der Betroffenenberichte nicht gut mit wissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbar ist – und warum suggerierte Erinnerungen an die vermeintlichen Tagen eine belastbarere Erklärung darstellen.

Von hartnäckigen Fiktionen und unbequemen Wahrheiten über die Dissoziative Identitätsstörung

Philipp Herzog, Tim Kaiser & Rafaële J. C. Huntjens | Psychotherapeutenjournal (1/2025)
Die Autoren setzen sich kritisch mit verbreiteten Mythen über die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) auseinander und stellt ihnen den aktuellen Stand der Forschung gegenüber. Er warnt vor suggestiven Therapietechniken, die zur Entstehung falscher Erinnerungen beitragen können, und betont die multifaktorielle Entstehung von DIS jenseits monokausaler Traumahypothesen. Statt traditioneller Phasenmodelle empfiehlt der Beitrag evidenzbasierte Behandlungsansätze. Auch die Rolle von Social Media bei der Symptomwahrnehmung wird reflektiert. Ziel ist eine fundierte, differenzierte und verantwortungsvolle klinische Praxis.

Die Erhebung und Bewertung von Zeugenaussagen im Strafprozess

Hrsg. von Rüdiger Deckers, Günter Köhnken, Jenny Lederer | Berliner Wissenschafts-Verlag, 2024
Der sechste Band der etablierten Reihe widmet sich dem reformierten Sexualstrafrecht (§ 177 StGB) und beleuchtet interdisziplinär, was strafrechtlich als Widerstandsunfähigkeit gilt. Der Band berührt an mehreren Stellen die False-Memory-Problematik – insbesondere bei der Glaubhaftigkeitsbeurteilung von Zeugenaussagen, der Rolle dissoziativer Störungen im Strafprozess und der Frage, welche Standards für aussagepsychologische Gutachten gelten.

False Memory – In der Therapie "wiedergefundene" Erinnerungen

Kai Funkschmidt (Hg.) | EZW-Texte 266, 2020
Der Band dokumentiert die Vorträge der ersten Fachtagung von „False Memory Deutschland e.V.“

Aus dem Inhalt:
Thomas Knecht: 125 Jahre falsche Erinnerungen an sexuellen Missbrauch
Melanie Sauerland: Erinnerungen an lange zurückliegenden sexuellen Missbrauch im therapeutischen Setting. Zum Stand aus wissenschaftlicher Sicht
Hans Stoffels: Falsche Erinnerungen aus der Erfahrung eines Psychotherapeuten
Michael Utsch: Der Einfluss weltanschaulicher Vorannahmen in der Psychotherapie Das Beispiel „Rituelle Gewalt“
Jürgen Zillikens: Die rechtliche Situation von Menschen mit Therapie-induzierten „falschen Erinnerungen“ an sexuellen Missbrauch
Heide-Marie Cammans: Erste Hilfe und Begleitung bei „False Memory“-Opfern Ein Bericht aus der Beratungsarbeit von False Memory Deutschland e. V.

Das trügerische Gedächtnis – Wie unser Gehirn Erinnerungen fälscht

Julia Shaw | Heyne, 2018
Wir sind die Summe unserer Erinnerungen. Aber haben prägende Ereignisse unseres Lebens überhaupt so stattgefunden? Die Rechtspsychologin Julia Shaw erklärt, warum wir uns auf unser Gedächtnis nicht verlassen können. Auf der Grundlage neuester Erkenntnisse von Neurowissenschaft und Psychologie sowie ihrer eigenen bahnbrechenden Forschung zeigt Shaw, welchen Erinnerungen wir trauen können und welchen nicht - und wie wir das Beste aus unserem trügerischen Gedächtnis herausholen.