False Memory
Deutschland e.V.

FMD-INFOTHEK

Neuere Veröffentlichungen aus Publikums- und Fachmedien. Weiter zurückliegende Veröffentlichungen finden Sie demnächst in unserem Archiv,

Zur Belastbarkeit und Suggerierbarkeit von Erinnerungen. Eine wissenschaftliche Anregung für psychotherapeutische Berufe

Aileen Oeberst | Springer, 2026
Wie verlässlich sind Erinnerungen – und wie leicht lassen sie sich beeinflussen? Dieses Essential zeigt, dass Menschen bereits in wenigen Interviews Erinnerungen an nie erlebte Ereignisse entwickeln können. Es beleuchtet die Mechanismen, die Erinnerungen beeinflussen, und sensibilisiert besonders für das Risiko von Suggestion im therapeutischen Kontext. Daneben werden verbreitete Mythen über das menschliche Gedächtnis thematisiert. Für psychotherapeutisch und psychologisch beratend tätige Personen.

Rituelle Gewalt als Form organisierter Kriminalität auf dem wissenschaftlichen Prüfstand: Wo endet die Realität und wo beginnt die Fiktion?

Philipp Herzog, Rafaële J. C. Huntjens, Tim Kaiser, Renate Volbert | Psychotherapeutenjournal (2/2025)
Der Artikel untersucht rituelle Gewalt im Kontext organisierter, sexualisierter Kriminalität und grenzt empirisch nachweisbare Formen solcher Gewalt von populären Mythen ab. Trotz weit verbreiteter Erzählungen – etwa über satanistische Netzwerke mit Mind‑Control‑Techniken – gibt es keine belastbaren Belege für systematischen rituellen Missbrauch. Der Diskurs speist sich häufig aus Therapiepraktiken, die falsche Erinnerungen fördern können. Gefahrensignale in der Psychotherapie sind der unreflektierte Einsatz von recovered‑memory‑Techniken oder suggestiven Interventionen. Der Beitrag empfiehlt stattdessen eine sorgfältige, traumasensible Anamnese, Sensibilisierung für Scheinerinnerungen und evidenzbasierte Vorgehensweisen im Umgang mit neu berichteten Erinnerungen.

Von hartnäckigen Fiktionen und unbequemen Wahrheiten über die Dissoziative Identitätsstörung

Philipp Herzog, Tim Kaiser & Rafaële J. C. Huntjens | Psychotherapeutenjournal (1/2025)
Die Autoren setzen sich kritisch mit verbreiteten Mythen über die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) auseinander und stellt ihnen den aktuellen Stand der Forschung gegenüber. Er warnt vor suggestiven Therapietechniken, die zur Entstehung falscher Erinnerungen beitragen können, und betont die multifaktorielle Entstehung von DIS jenseits monokausaler Traumahypothesen. Statt traditioneller Phasenmodelle empfiehlt der Beitrag evidenzbasierte Behandlungsansätze. Auch die Rolle von Social Media bei der Symptomwahrnehmung wird reflektiert. Ziel ist eine fundierte, differenzierte und verantwortungsvolle klinische Praxis.

Rituelle sexuelle Gewalt. Zur aktuellen Kontroverse über ein polarisierendes Narrativ

Silvia Gubi-Kelm, Luise Greuel | reportPsychologie, April 2024
Zwei Rechtspsychologinnen zeigen, dass die Grundannahmen des Narrativs ritueller sexueller Gewalt – Verdrängung, Mind Control, absichtliche Persönlichkeitsspaltung – wissenschaftlich nicht haltbar sind. Eine Dissoziative Identitätsstörung ist kein Beleg für erlebten Missbrauch: Der Rückschluss ist zirkulär, die Diagnose entsteht häufig erst im Therapieverlauf, und suggestive Methoden erhöhen bei diesen Patientinnen und Patienten das Risiko falscher Erinnerungen besonders stark. Forderungen nach einer Abkehr von der wissenschaftlich fundierten Glaubhaftigkeitsbegutachtung werden als unbegründet zurückgewiesen.

Gibt es organisierten rituellen Kindesmissbrauch?

Roland Imhoff, Marcel Meuer, Andreas Mokros, Aileen Oeberst | The Inquisitive Mind 2/2024 
Eine Reihe von Therapeutinnen und Therapeuten sowie selbstdefinierte Betroffene berichten von geheimen Organisationen, die Kinder zu ideologischen oder religiösen Zwecken missbrauchen und durch Persönlichkeitsspaltung kontrollieren sollen. Polizeiliche Ermittlungen haben dafür keinerlei Belege gefunden. Die Autoren diskutieren, warum die Existenz solcher verschwörerischen Geheimbünde trotz der Betroffenenberichte nicht gut mit wissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbar ist – und warum suggerierte Erinnerungen an die vermeintlichen Tagen eine belastbarere Erklärung darstellen.

Die Erhebung und Bewertung von Zeugenaussagen im Strafprozess

Hrsg. von Rüdiger Deckers, Günter Köhnken, Jenny Lederer | Berliner Wissenschafts-Verlag, 2024
Der sechste Band der etablierten Reihe widmet sich dem reformierten Sexualstrafrecht (§ 177 StGB) und beleuchtet interdisziplinär, was strafrechtlich als Widerstandsunfähigkeit gilt. Der Band berührt an mehreren Stellen die False-Memory-Problematik – insbesondere bei der Glaubhaftigkeitsbeurteilung von Zeugenaussagen, der Rolle dissoziativer Störungen im Strafprozess und der Frage, welche Standards für aussagepsychologische Gutachten gelten.

Denn sie wissen (nicht), was sie tun: Die Hamburger ORG-Studien über Mind Control, gezielte Persönlichkeitsaufspaltungen und induzierte Amnesien. Eine Replik auf die Kritik von Schröder et al. (2023)

Susanna Niehaus, Andreas Krause | Praxis der Rechtspsychologie, 09.11.2023

Die Autoren antworten in diesem Beitrag auf die Kritik einer Forschergruppe (Schröder et al.)1 an ihren Veröffentlichungen über sogenannte ORG-Studien (Organisierte Rituelle Gewalt).
Die Autoren befassen sich kritisch mit Konzepten wie „Mind Control“ (Gedankenkontrolle), Persönlichkeitsaufspaltungen und induzierter Amnesie. Sie warnen davor, dass Annahmen über organisierte rituelle Gewalt ohne ausreichende empirische Belege die juristische Praxis und Opferinteressen in Sexualstrafverfahren gefährden könnten. Die ausführliche Debatte können Sie in der Fachzeitschrift "Praxis der Rechtspsychologie" nachlesen.
1) Schröder, J., Nick, S., Behrendt, P., Kraus, A.-K., Richter-Appelt, H., & Briken, P. (2021). Sexueller Kindesmissbrauch in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen. Zusammenfassungen der Veröffentlichungen aus dem Forschungsprojekt in wissenschaftlichen Zeitschriften. Berlin: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. 

Das trügerische Gedächtnis – Wie unser Gehirn Erinnerungen fälscht

Julia Shaw | Heyne, 2018
Wir sind die Summe unserer Erinnerungen. Aber haben prägende Ereignisse unseres Lebens überhaupt so stattgefunden? Die Rechtspsychologin Julia Shaw erklärt, warum wir uns auf unser Gedächtnis nicht verlassen können. Auf der Grundlage neuester Erkenntnisse von Neurowissenschaft und Psychologie sowie ihrer eigenen bahnbrechenden Forschung zeigt Shaw, welchen Erinnerungen wir trauen können und welchen nicht - und wie wir das Beste aus unserem trügerischen Gedächtnis herausholen.