Warum wir Falschbeschuldigungen ebenso ernst nehmen wie sexuellen Missbrauch
Sexueller Missbrauch ist ein schweres Verbrechen – Falschbeschuldigung ebenfalls
Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 17.545 Fälle an sexuellen Missbrauch an Kindern (16.354 Fälle) und Jugendlichen (1.191 Fälle) angezeigt (Quelle: Bundeskriminalamt, Polizeiliche Kriminalstatistik 2024). Angesichts eines erheblichen Dunkelfelds dürfte die tatsächliche Zahl weit höher liegen.
Sexueller Missbrauch ist ein schwerwiegendes Verbrechen. False Memory Deutschland verurteilt ihn entschieden und befürwortet alle wirksamen Maßnahmen zu seiner Prävention und Bekämpfung.
Weniger bekannt, aber ebenso folgenreich ist ein anderes Phänomen: Falsche Erinnerungen an sexuellen Missbrauch – und die Falschbeschuldigungen, die daraus entstehen können.
Erinnerungen sind nicht statisch oder objektiv. Sie sind rekonstruktiv, fehleranfällig und veränderbar – das zeigen jahrzehntelange gedächtnispsychologische Forschung und zahlreiche klinische Studien, etwa die wegweisenden Arbeiten von Elizabeth Loftus.(Quelle)
Suggestive Techniken können Falscherinnerungen auslösen
In nicht fachgerechten Psychotherapien oder in ähnlichen Settings kann es vorkommen, dass Menschen durch suggestive Techniken – etwa geleitete Imagination, wiederholtes Befragen oder bestimmte Formen der Hypnose – dazu angeregt oder sogar gedrängt werden, sich an sexuellen Missbrauch zu erinnern, von dem sie bisher nichts wussten. Auch bestimmte Inhalte in sozialen Medien können diesen Prozess begünstigen.
Dabei ist wichtig zu verstehen: Falsche Erinnerungen fühlen sich für die Betroffenen real und wahr an. Oft geht es Menschen mit falschen Erinnerungen an sexuellen Missbrauch genauso schlecht wie Personen, die tatsächlich sexuellen Missbrauch erlebt haben. Sie sind selbst Betroffene und verdienen Unterstützung, keine Verurteilung.
Menschen im Glauben an falsche Erinnerungen zu bestärken, hilft ihnen nicht. Es hält sie gefangen in der Identität eines vermeintlichen Opfers sexuellen Missbrauchs. Es zerstört ihre familiären und sozialen Bindungen und untergräbt ihre Identät.
Von der Scheinerinnerung zur Falschbeschuldigung
Falsche Erinnerungen an sexuellen Missbrauch können dazu führen, dass Betroffene Eltern, Geschwister oder andere nahestehende Personen beschuldigen, sie in der Kindheit oder Jugend sexuell missbraucht zu haben. Manche erstatten Anzeige.
Zu Unrecht Beschuldigte erleben die Erschütterung ihrer Existenz in alle Lebensbereiche hinein. Die Folgen einer Falschbeschuldigung können gravierend sein: strafrechtliche Ermittlungen, gesellschaftliche Ächtung, wirtschaftliche Schäden, zerbrochene Familien – und im schlimmsten Fall die Verurteilung Unschuldiger.
Wenn Sie von einer Falschbeschuldigung betroffen sind oder an der Echtheit Ihrer Erinnerungen zweifeln, beraten wir Sie vertraulich und kostenlos.