False Memory
Deutschland e.V.

FMD-INFOTHEK

Neuere Veröffentlichungen aus Publikums- und Fachmedien. Weiter zurückliegende Veröffentlichungen finden Sie demnächst in unserem Archiv,

Bericht der Kanzlei Feigen-Graf zu kirchlichen Täternetzwerken Ritueller Gewalt in den Bistümern Essen, Münster sowie im Erzbistum Köln

Bistümer Münster und Essen, Erzbistum Köln, Oktober 2025 (pdf)
Die unabhängige Kanzlei hat im Auftrag der drei Bistümer geprüft, ob es belastbare Anhaltspunkte für die behaupteten Täternetzwerke ritueller Gewalt gibt. Ergebnis: kein einziger Nachweis. Als Erklärung für die Vorwürfe benennt der Bericht suggestive Einflüsse – insbesondere im Therapiekontext. Ein aussagepsychologisches Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die geschilderten Erinnerungen prototypisch für die Entstehung falscher autobiografischer Erinnerungen sind. Der Bericht kritisiert auch die frühere Beratungsstelle des Bistums Münster: Ihre Schließung 2023 sei richtig gewesen, aber zu spät erfolgt.

Ritueller sexueller Missbrauch – Orientierung am Patientenwohl in einer polarisierten Debatte

Jörg M. Fegert, Frank Urbaniok | Der Nervenarzt 11/2024 (pdf)
Die Autoren plädieren für eine stärkere Rückbesinnung auf wissenschaftlich belegte Erkenntnisse – in Therapie und Forschung gleichermaßen. Der unkritische Glaube an Theorien wie „Mind Control" oder geheime Täternetzwerke hat in manchen Therapeutenkreisen zu Fehlbehandlungen geführt; bei anderen ist ein pauschales Misstrauen gegenüber Betroffenen entstanden. Beides schadet verletzlichen Patientinnen und Patienten und widerspricht grundlegenden medizinischen Ethikprinzipien.

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Psychologie zu einem Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

DGPS, März 2023 (pdf)
Die DGPs äußert erhebliche Bedenken gegenüber dem Referentenentwurf des Bundesfamilienministeriums. Sie kritisiert, dass die Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) wissenschaftlich nicht haltbare Positionen zur rituellen sexuellen Gewalt vertreten und etablierte Forschungsergebnisse ignoriert hat. Beratungsangebote, die von falschen Prämissen ausgehen, können Betroffenen mehr schaden als nutzen – insbesondere wenn Scheinerinnerungen unkritisch als wahr behandelt werden. Die DGPs fordert eine unabhängige wissenschaftliche Qualitätssicherung des geplanten Beratungssystems und eine personelle Unabhängigkeit des geplanten Forschungszentrums.

Stellungnahme des Berufsverbandes deutscher Psychologinnen und Psychologen (Sektion Rechtspsychologie)

BDP, März 2023 (pdf)
Die Sektion Rechtspsychologie im BDP warnt: Staatlich geförderte Beratungsangebote erwecken den Eindruck, rituelle sexuelle Gewalt sei ein häufiges Phänomen – ohne wissenschaftliche Grundlage. Gleichzeitig wird die gut belegte Forschung zu Scheinerinnerungen ignoriert. Die Stellungnahme fordert eine wissenschaftliche Fundierung des Diskurses – zum Schutz Betroffener vor falscher Beratung und Behandlung.

Zersplitterung nach Therapie. Bedenkliche Auswirkungen der "Rituelle Gewalt Mind-Control"-Theorie

Bianca Liebrand | Sekteninfo NRW, April 2020
Ein ausführlicher Erfahrungsbericht einer Betroffenen, die jahrelang glaubte, Opfer „ritueller Gewalt" zu sein – und eine fachliche Einordnung durch die Autorin. Der Bericht zeigt exemplarisch, wie suggestive Therapiemethoden, Selbsthilfegruppen und Online-Foren zusammenwirken können, um bei psychisch vulnerablen Menschen falsche Erinnerungen zu erzeugen und eine falsche Identität als „Überlebende" zu verfestigen. Die fachliche Einordnung erläutert die psychologischen Mechanismen – von kognitiver Dissonanz über Gruppendruck bis zur therapeutischen Abhängigkeit – die diesen Prozess begünstigen.